News vom 15.12.2020

Neue Ideen für den Sportverein der Zukunft


Deutschland – das Land der Vereine. 88.000 Sportvereine sind es, in 24.500 wird Fußball gespielt. Mit dem WM-Titelgewinn 1990 begann eine Phase, während der immer mehr Menschen im Land dem Ball hinterherrannten. Zwei Jahrzehnte später war die Zahl der Fußballspielenden um beeindruckende 40 Prozent gestiegen. Die Sportart Nummer eins hatte nochmal einen kräftigen Wachstumsschub hingelegt. Größter Verein in Deutschland aktuell ist der FC Bayern München mit knapp 300.000 Mitgliedern.

Doch nicht alles ist rosig: Zu wenig Nachwuchs beim Ehrenamt ist ein Grund für überalterte Vereinsvorstände in den Amateurvereinen. Das "Drop Out Age" bedeutet für die Vereine eine weitere Herausforderung. Forscher erklären den Anstieg der Austritte im Alter zwischen 17 und 20 Jahren mit dem hohen Verpflichtungscharakter im Fußball, der dem Wunsch nach flexibler Freizeitgestaltung vieler Jugendlicher nur wenig entspricht. Durchaus alarmierend: In den vergangenen drei Jahren sind 121.506 Jugendliche aus ihrem Sportverein ausgetreten.

Anlass genug für die Aufgabe, die den jugendlichen Teilnehmer*innen der Egidius-Braun-Akademie gestellt wurde. Wie könnte der "Sportverein der Zukunft" ausschauen - damit hatten sich die 25 Frauen und Männer im Alter von 17 bis 26 Jahren, alle bereits in Verein oder Verband ehrenamtlich aktiv, an einem "Design Thinking"-Wochenende Ende November beschäftigt. Die fünf Teams stellten ihre Ideen DFB-Vizepräsident Dirk Janotta und dem Vorsitzenden der Deutschen Sportjugend, Michael Leyendecker, vor.

FIFA-Turnier beim Sommerfest

"Insgesamt hat die Akademie gezeigt, dass sich der Austausch mit jungen Menschen unbedingt lohnt. Es wurden wertvolle Ideen erarbeitet, die nach Möglichkeit real umgesetzt werden sollen"

Beim "Buddy-Programm" des "Team Together" geht es um pfiffige Maßnahmen, um gerade Menschen mit einer Behinderung den Eintritt in einen Sportverein zu erleichtern. "NOAH" heißt die App für die Vereinssuche, die sich das "Team Kommunikation" ausgedacht hat. Nach Jobwechsel und dem Umzug in die neue Stadt, begeben sich junge Menschen auf die Suche nach Sportmöglichkeiten und stellen ernüchtert fest, dass die oft altbackene Ansprache auf den Onlineseiten der Sportvereine bei ihnen einfach nicht zündet. "NOAH" dagegen funktioniert intuitiv und einfach und ist damit auch kostengünstig in der Gestaltung. Das Team "Work" präsentierte mit der App für "Dein Vereins-Date" eine ähnliche Idee.

Die "Jonas Family" beschäftigt sich mit dem schon beschriebenen verflixten "Drop Out Age". Ihre Lösung: Das Wir-Gefühl stärken. Das bewirken könnte, so die Idee der Gruppe, etwa ein jährlicher Rundlauf von Teamevents. Ein Teil der Fußballer*innen spielt mit beim Tischtennis-Team des Vereins, von denen wiederum ein Teil für ein Turnier beim Handball mitmacht. Ein anderes Ideen-Cluster taufte die Gruppe "Meet the trends". Vereinskultur muss jünger werden, so die Forderung, etwa indem beim Sommerfest auch mal ein Paintball-Duell oder ein FIFA-Konsolen-Battle ausgetragen wird. Auch die Gruppe "Du bist Verein" hatte Ideen entwickelt, wie Vereine den Bedürfnissen junger Menschen besser gerecht werden könnten – etwa Nachhilfeunterricht im Verein oder Snacks für die Kinder, die direkt nach der Schule ins Training kommen.

Der Softwarekonzern SAP unterstützt die Arbeit der DFB-Stiftungen und hatte für das "Design-Thinking"-Wochenende Tutoren gestellt. Gabriele Hartmann, für das gesellschaftliche Engagement des Unternehmens in Mittel- und Osteuropa zuständig, gehörte wie auch Degen-Mannschaftsweltmeister und DOSB-Athleten-Sprecher Max Hartung sowie Tatjana Kiel von Klitschko-Ventures der Jury an. Die Organisation des ehemaligen Boxweltmeisters hatte am Programm der zehnwöchigen Akademie mit zwei Workshops und einem Leadership-Talk mitgewirkt.

Zu den Referenten zählten unter anderem auch Welt- und Europameisterin Renate Lingor, die über Entwicklungsmöglichkeiten des Frauenfußballs sprach, DOSB-Pressesprecherin Ulrike Spitz, die über den Sport in der Pandemie berichtete, und Max Hartung, der sich zum Recht der Athlet*innen auf politische Meinung, auch im Wettkampf, äußerte. "Euer Engagement ist absolut ermutigend, dafür möchte ich mich bedanken", sagte Michael Leyendecker als alle fünf Gruppen ihren Pitch vorgetragen hatten. 

Beteiligung als Erfolgsmodell

Zehn Teilnehmer*innen der Egidius-Braun-Akademie engagieren sich im Fußball, der Rest verteilte sich auf die Sportarten Basketball, Handball, Hockey, Jiu-Jitsu, Leichtathletik, Minigolf, Reitsport, Rudern, Schach, Schwimmen, Ski-Alpin, Tauchen und Turnen. 

"Für die erste Egidius-Braun-Akademie hat sich ein sehr starker Jahrgang zusammengefunden. Die Disziplin und Ausdauer der Teilnehmenden waren beeindruckend. Nachdem alle Sitzungen online stattfinden mussten, werden wir, wenn es die Infektionszahlen erlauben, für den Sommer ein wirkliches Treffen des Akademie-Jahrgangs organisieren", sagt DFB-Vizepräsident Dirk Janotta. "Insgesamt hat die Akademie gezeigt, dass sich der Austausch mit jungen Menschen unbedingt lohnt. Es wurden wertvolle Ideen erarbeitet, die nach Möglichkeit real umgesetzt werden sollen", so der geschäftsführende Vorsitzende der DFB-Stiftung Egidius Braun weiter.

Das Fazit zur Akademie fällt also rundherum positiv aus. Ein besonderes Projekt mit besonderen Menschen in besonderen Zeiten. Das freut auch DFB-Ehrenpräsident Egidius Braun, der selbst in jungen Jahren beim SV Breinig sein Wirken für den Fußball begann.

Autor/-in: Thomas Hackbarth